Weltweit sind derzeit ca. 60 Millionen Menschen auf der Flucht, so viele wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Alleine Deutschland erwartet in diesem Jahr mehr als 800.000 Flüchtlinge. Auch in den kommenden Jahren werden es viele Hilfe suchende Menschen sein, die getrieben von höchster Not zu uns kommen. Diese Menschen in Würde aufzunehmen, ihre Einzelschicksale zu berücksichtigen, ihnen Menschlichkeit und Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und sie nachhaltig zu integrieren – in Deutschland, in Europa, weltweit – ist die große Aufgabe unserer Wohlstandsgesellschaften in den kommenden Jahren.

Die Mehrheit der Deutschen hat gerade im Spätsommer 2015 gezeigt, was eine beispielhafte Willkommenskultur ausmacht. Unzählige ehrenamtliche Helfer und Millionen von Bürgern, die Flüchtlinge begrüßen und sich für sie einsetzen, haben eine Eskalation der Ereignisse verhindert und selbst konservative Politiker zum Umdenken gezwungen.

Jetzt und für die kommenden Jahre müssen auf politischer, aber auch auf privater Ebene neue Wege gefunden und gegangen werden, damit wir unsere Willkommenskultur weiter etablieren und in eine Integrationskultur transformieren – auch um unheilvolle, soziale Konflikte zu verhindern und den inneren Frieden zu sichern. Hier ist jeder Einzelne gefragt und alle gesellschaftlichen Kräfte und Institutionen sowie alle demokratischen Parteien sollten hier soziale Verantwortung übernehmen. Dafür brauchen wir zu allererst offene Augen, offene Ohren und offene Arme, ein übergreifendes menschliches Miteinander statt ein Gegeneinander. Um die Grenzen in unserem Land, zwischen den Menschen, zwischen uns und den Fremden abzubauen, müssen wir sie zunächst erkennen, um sie dann bewusst zu überwinden.